Empfehlungen für eine gute Lesbarkeit

Der Vortrag von Designer Jan Filek am 6. Juli beschäftigte sich im ersten Teil mit den wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema »Lesbarkeit von Text«. Was passiert, während wir lesen? Ist Lesbarkeit überhaupt messbar, und wenn ja, wie? Wie müssen die Zeichen beschaffen sein, damit wir sie erkennen?

Gerade für die Beantwortung der letzten Frage ist eine Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Designern mit guten typografischen Kenntnissen unabdingbar. Darum ging es im zweiten Teil des Vortrags.

Jan Filek

Aus der Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Designern resultieren Schriftempfehlungen, die nach DIN 1450:2013-05 folgendermaßen zusammengefasst sind:

Lesetext
Constantia, Minion, Palatino, Stempel, Garamond, FF Milo Serif, Sabon Next, Times New Roman, Adobe Caslon Pro, Century Old Style, Aldus, Apollo, Arno, Bembo, Concorde, Demos, ITC Galliard, Garamond, Guardi, Jenson, ITC Legacy Serif, TEFF Lexicon, Plantin, Proforma, FF Quadraat, Sabon Next, FF Scala, Thesis Antiqua, Utopia, ITC Weidemann.
(Auch die Schriften für Konsultationstext und für Signalisationstext sind für Lesetext geeignet.)

Konsultationstext
FF Meta Serif, Swift, Lucida, Georgia, Nimrod, Excelsior, Garamond Premier Caption, Warnock Caption, Poynter Old Style Text Four, Century Schoolbook, FF Clifford Six, ITC Charter, Impressum, Joanna, LinoLetter, FF Parable, Plantin.

Signalisationstext
Verdana, Calibri, Neue Frutiger, FF Meta, Myriad, Thesis – The Sans, DIN Mittelschrift, Interstate, Vectora, Bell Gothic, Fedra, Gill Sans, FF Kievit, FF Milo, ITC Officina Sans, Polo, Praxis, FF Scala Sans, ITC Stone Sans, Syntax Next, Verdana, Wayfinding Sans, eingeschränkt auch: DIN, FF Fago.

(Die vollständige Fassung der DIN 1450:2013-04 ist im Onlineshop des Beuth Verlags zu finden: http://www.beuth.de/de/norm/din-1450/ 170093157)

Filek betonte jedoch, dass man sich als Designer nicht sklavisch an diese Vorgaben halten müsse, außer vielleicht bei Texten, die unbedingt gut lesbar sein müssen, wie behördliche Anweisungen, Rezepturen oder Zeitungstexte. Im Corporate Design spielen natürlich noch andere Kriterien eine Rolle: Unverwechselbarkeit, Ästhetik, Emotion.

Jan Filek

Dass Serifenschriften grundsätzlich besser zu lesen sein sollen als serifenlose Schriften (wie ältere Untersuchungen behaupten), ist nicht eindeutig belegbar. Hier haben sich inzwischen die Lesegewohnheiten geändert – heute können wir ja auch keine gebrochenen Schriften mehr lesen. Jedoch sind die Renaissance Antiqua und die Barock Antiqua unter den Serifenschriften eindeutig besser lesbar als die Klassizistische Antiqua und die serifenbetonte Antiqua (Egyptienne). Auch bei den serifenlosen Schriften gibt es Unterschiede.

Die Lesbarkeit ist nicht nur von der Schrifttype abhängig, sondern auch von der Schriftgröße bzw. vom Verhältnis der Kleinbuchstabenhöhe (x-Höhe) zur Versalhöhe (je größer die x-Höhe, desto besser lesbar) und vom Zeilenabstand (2,5- bis 3-fache x-Höhe wird empfohlen). Die in Layoutprogrammen voreingestellten 120 % für den »Automatischen Zeilenabstand« sind deshalb nicht zielführend! Darüber hinaus gelten Zeilenlängen von ca. 60 Zeichen als am besten lesbar. Eine eindeutige Empfehlung zu Blocksatz oder Flattersatz kann nicht gegeben werden, jedoch gilt es beim Blocksatz, die störende »Flüssebildung« durch aneinandergereihte Löcher zu vermeiden. Hier müssen in InDesign oder QuarkXPress die Silbentrennungs- und Blocksatzeinstellungen angepasst werden!

Aprospos InDesign: Verwenden Sie für die Spationierung des Textes besser die metrische Methode als die optische. Die Schriftgestalter haben die Buchstabenabstände (Vor- und Nachbreiten der einzelnen Buchstaben) gezielt für eine optimale Lesbarkeit gestaltet (= metrische Methode). Bei der optischen Methode berechnet InDesign die Abstände. Dieses macht allenfalls Sinn, wenn unterschiedliche Schriften nebeneinander stehen. Abhängig von der Schrift und auch vom Leseabstand kann der metrisch spationierte Text natürlich noch weiter oder schmaler gesetzt werden.

In Versalien sollten allenfalls Headlines oder kurze Texte geschrieben werden, da sie die Lesbarkeit eines Textes verlangsamen. Auch die kursive Schreibweise sollte sich auf Hervorhebungen im Text beschränken.

Interessanter Hinweis für Designer, die Kinderbücher layouten: Der Text sollte nicht zu groß gesetzt werden, da das Erfassen von Wörtern erschwert wird und stattdessen nur einzelne Buchstaben wahrgenommen werden können. Schriftgrößen um 12 pt sind absolut ausreichend! Bei älteren oder sehbehinderten Menschen hingegen sind größere Schriftgrößen oft leider unumgänglich, damit ein Text überhaupt gelesen werden kann. Hier ist die Skalierbarkeit des Textes (wie beim iPad) von Vorteil.

Jan Filek

Wer tiefer in das Thema »Lesbarkeit« einsteigen möchte, dem empfehlen wir das Buch »Read/ability – über Lesbarkeit und Typografie« von Jan Filek mit einem Vorwort von Andreas Uebele. Es ist im niggli-Verlag erschienen und kostet 38,00 €.

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