Print is dead – is never dead!

Bis an die Grenze gehen und (eigene) Grenzen überschreiten, das war schon immer ein Anliegen von Lars Harmsen. So gründete der frühere Extremsportler (Skifahrer und Gleitschirmflieger) schon während seines Designstudiums das Fontlabel Volcano Type mit außergewöhnlichen Schriften. 

Parallel widmete er sich dem Editorial Design, stets experimentierfreudig und innovativ. Mit seiner Agentur MAGMA wurde er schnell erfolgreich. Bereits in den ersten 2000er Jahren initiierte er dann Slanted Magazine. Zunächst als reiner Webblog ins Leben gerufen, hat sich Slanted inzwischen auch als gedruckte Magazinausgabe etabliert. Einzelne Publikationen haben bereits Sammlerwert. Thematisch immer auf der Höhe der Zeit sind die Slanted Magazines ein außergewöhnliches Experimentierfeld für Editorial Design. Fantastische Bildsprache, ungewöhnliche Formate und Gestaltungsraster, gut recherchierte Artikel sowie innovative Typografie zeichnen die Magazine aus. Dabei spürt Harmsen gekonnt internationale Talente auf, die sich mit ihren Arbeiten einbringen.

Lars Harmsen

Nach 20 Jahren Karlsruhe wechselte Harmsen nach München und gründete dort mit Partnern die Agentur melville brand design. Ein bekanntes Projekt der Agentur ist der Relaunch für die novum World of Graphic Design. Namhafte Kunden wie Adidas und Levi’s runden das Portfolio ab.

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Harmsens Leidenschaft für Gedrucktes und schönes Papier verdankt sich nicht zuletzt seiner früheren Druckerausbildung. Leider, so Harmsen, verschwinden viele toll gestaltete und hochwertig gedruckte Magazine schnell wieder in der Versenkung, weil die Vertriebskosten zu hoch sind. Im Bereich Vermarktung und Vertrieb gäbe es bei vielen Verlegern und Designern einfach viel zu wenig Kreativität.

Ein gutes Gegenbeispiel ist das Projekt 100for10 von melville brand design. Getreu dem Motto »Print is dead – is never dead« publiziert 100for10 eine Serie schwarzweißer Kunstmagazine bzw. -Bücher mit je 100 Seiten, die für 10 € überall auf der Welt »on-demand« gedruckt und erhältlich sind. Die Bücher werden von internatialen Künstlern gestaltet und über einen ebenfalls schwarzweiß gestalteten Online-Shop vertrieben. Begleitet wird das Projekt von Ausstellungen und Events – das schafft Aufmerksamkeit.

Harmsens Anliegen beim Vortrag war es nicht, Regeln bzw. Dos and Don’ts im Editorial Design aufzuzeigen. Vielmehr animierte er sein Publikum – gekonnt Regeln zu brechen, Mut zur Interdisziplinarität zu zeigen und auch mal an die Grenzen des Machbaren zu gehen. Die Freiheit zum Experiment lässt sich sicher nicht auf alle Magazingenres und Kunden übertragen, aber wir dürfen doch gespannt sein, welche kreativen Spuren der Vortrag hinterlässt.

Die Bilder des Abends machte Niko Matthäus (Müller Ditzen AG).

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