Die Stärken von Print: Haptik und Lifestyle

Ein wahrer Seelenbalsam für Print-Liebhaber war der Vortrag »Das Glück ist analog« von Wulf-Peter Kemper Ende Oktober in der müllerditzenᴬᴳ. Vor ca. 80 Gästen – vorwiegend aus den Bereichen Marketing, Design und Druck – stellte der Referent eindringlich die Stärken der Print-Kommunikation in den Vordergrund – auch und gerade in Kombination mit digitalen Kampagnen.

Print – für die Onhold-Phasen des Lebens

»Auf ein Druckprodukt muss man sich einlassen wie auf eine gute Flasche Wein«, so lautete das Credo von Wulf-Peter Kemper – seit seiner Vorstandstätigkeit bei Springer & Jacobi ein bekennender Liebhaber von Print-Produkten. Der menschliche Alltag sei unterteilt in die Phasen »Online« »On my way« und »Onhold«. Morgens und abends sind wir »Onhold«, dazwischen »Online« und »On my way«. In diesen beiden Phasen nehmen wir nur schnelle Informationen auf, und das vorwiegend digital. Ein Ausnahme sind hier die zunehmenden und geschickt platzierten Großformat-Plakate, die im Vorbeihuschen wahrgenommen werden. In der Onhold-Phase nehmen wir uns dagegen bewusst Zeit und Muße, Informationen von Interesse zu komsumieren. Für Marketingstrategen heißt das, sie müssen es schaffen, ihre Botschaften in die Onhold-Phasen des menschlichen Alltags zu platzieren. Dabei spielt Print nach wie vor ein große Rolle. Statistiken belegen, dass wir in der Freizeit noch immer lieber ein gedrucktes Magazin oder Buch in die Hand nehmen. E-books stagnieren seit Jahren auf den untergeordneten Plätzen. Hier – so Kemper – kann Print aufgrund von Haptik, Design und Lifestyle punkten.

Die Brücke zwischen Digital und Print

»Die Brücke zwischen Digital und Print ist oftmals nicht so lang wie man vermuten mag«, so Kemper – selbst inzwischen Digitalunternehmer und Strategieberater in Hamburg (wpk-strategy). Digitale Marketingstrategien werden immer häufiger begleitet und unterstützt durch auserlesene und pfiffige Print-Kommunikation in Form von Anzeigen, Plakaten und Broschüren. Kemper stellte hier einige herausragende Kampagnen vor, unter anderem von VW.

Im Medienmix spielt die Hochwertigkeit des Drucks und der bedruckten Materialien eine besondere Rolle. Sie machen Lust, ein Heft oder Buch in die Hand zu nehmen und aufmerksam darin zu blättern. Hier sprach Kemper deutschen Druckereien ein großes Lob aus. Die durchschnittliche Qualität von Print-Produkten in Deutschland sei außergewöhnlich hoch im europäischen Vergleich.

Die Basis erfolgreicher Magazine und Zeitungen: eine gute Recherche und gute Geschichten

Natürlich spielen auch Inhalte eine große Rolle. Ohne das Modewort »Storytelling« verwenden zu wollen (»Gute Geschichten gab es schon immer!«), unterstrich er die Bedeutung einer guten Recherche und »Schreibe« in Zeitungen und Zeitschriften. Magazine dagegen, die versuchen, mit stichpunktartigen Kurztexten analog zum Internet zu punkten, sind in Ihrer Auflagenzahl rückläufig. Zur Onhold-Phase gehört es eben auch, gut informiert und unterhalten zu werden. Die »ZEIT« macht es vor. Sie zu lesen gilt inzwischen als Aushängeschild für Lebenskultur. Aber auch einige Sonntagszeitungen genießen ein gutes Ansehen bei den Lesern.

Print ist noch lange nicht tot!

Generell unterstrich Kemper das zunehmende menschliche Bedürfnis nach Entschleunigung. Dazu kommt, dass vielen Kindern heute das haptische Erlebnis abhanden kommt, wenn sie ihre Freizeit nur noch mit dem Wischen über Smartphones und Tablets verbringen. Gedrucktes hat das Potenzial, lebenswichtige Gefühle zurück zu bringen. Dieses Potenzial sollte genutzt werden! Die Aussage »Print ist tot« sei jedenfalls nicht haltbar.

Wir danken Wulf-Peter Kemper für den illustren Abend. Gerne zeigen wir noch ein paar Bilder des Abends – fotografiert von Niko Matthäus (müllerditzenᴬᴳ).

Wulf-Peter KemperWulf-Peter Kemper

Die neue Bedeutung von Print in Zeiten der Digitalisierung

Das Glück ist analog

Vortrag am 26.10.Wulf-Peter Kemper

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