Bis zu einem gewissen Grad kann man Kreativität auch trainieren

Gut 100 Gäste waren ganz Ohr, als der Kreativitätsforscher Prof. Stephan Sonnenburg in einem sehr lebendigen Vortrag aufzeigte, wie Denkblockaden und Kreativitätskiller erfolgreich überwunden werden können.

Bis zu einem gewissen Grad könne man Kreativität trainieren, so sein Einstieg. Kreativität gäbe es nicht nur bei Künstlern, Designern und Werbern – das gehöre zu den Vorurteilen und Mythen über Kreativität.

Stephan Sonnenburg

Mythen zum Thema Kreativität

Damit sich Kreativität jedoch entwickeln kann, muss der richtige Rahmen in Unternehmen geschaffen werden. Dazu gehören aus Sicht von Sonnenburg z. B. ein inspirierender Raum (mindestens mit Kaffeemaschine!) und ab und zu auch ein Powernapping oder ein Spaziergang. Menschen ticken einfach unterschiedlich und entwickeln ihre Kreativität auf unterschiedliche Weise. Dieser Tatsache wird in den meisten Unternehmen viel zu wenig Rechnung getragen. Aber es gibt auch noch persönliche Kreativitätskiller, die jeder bei sich selbst mal hinterfragen sollte.

Kreativitätskiller

Um zu testen, ob die betrieblichen und persönlichen Rahmenbedingungen passen, entwickelte der Referent einen Fragebogen, den man gleich mal testen konnte.Fragebogen_Kreativitätsvoraussetzungen

 

Stephan Sonnenburg plädiert für Co-Kreativität, aber die Gruppenzusammensetzung muss auch stimmen. Ebenso müssen bestimmte Regeln eingehalten werden. Vorschnelle Kritik ist verboten, und Ideen müssen ganz unabhängig von einer vorhandenen Hierarchie zugelassen werden – ebenso so wie Fehler: Auf einer gescheiterten Idee lässt sich wunderbar aufbauen!

Gruppenkreativität

 

Dem gesamten Kreativitätsprozess vorausgesetzt ist aber, dass das Topmanagement dahinter steht und dass alle Beteiligten Lust auf das zu lösende Problem haben (intrinsische Motivation). Zudem muss es eine Offenheit für Neues geben.

Sonnenberg plädierte eindrücklich dafür, verschiedene Kreativitätsmethoden auszuprobieren und diese kreativ für die eigenen Belange abzuwandeln. Auf jeden Fall sollte man sie nicht zu schnell wieder verwerfen und eine Zeit lang damit arbeiten, um sie zu testen. Eine bekannte und zurzeit recht populäre Methode ist z. B. das Design Thinking.

Design Thinking

Die von Sonnenburg favorisierte Kreativitätsmethode ist allerdings Lego Serious Play, das recht einfach zu erlernen und ohne allzu großen Kostenaufwand einsetzbar ist. Ein komplettes Set kostet 800,– €, ein Starterset 120–150 €. Bei Lego Serious Play geht es darum, beim Bauen Kreativität zu entwickeln. Man denkt mit Händen und Körper. Die Methode eignet sich besonders gut für die Organisationsentwicklung und zur Steigerung des Teamgeistes. Zur Veranschaulichung startete Sonnenburg den Vortrag mit einer kleinen Lego-Aufwärmübung. Innerhalb von 3 Minuten galt es, mit einer kleinen Auswahl an Legomaterial einen Ente zu gestalten. Die Vielfalt der Ergebnisse lässt staunen.

Lego Serious Play

Für Stephan Sonnenburg ist der Kreativitätsprozess – analog zu Joseph Campbell, einer der bedeutendsten Mythenforscher des 20. Jahrhunderts – eine Heldenreise. Denn immer geht es bei Geschichten um das Leben von Helden, die sich auf einer Reise transformieren. Das Prinzip ist Folgendes: Ein Mensch oder eine Gruppe verlässt die bekannte Welt und begibt sich auf eine Reise in die unbekannte Welt (Schwellenüberschreitung!), in der Abenteuer zu bestehen sind. Die Reise endet in der bekannten Welt, die durch die gewonnenen Erfahrungen verändert wird. Erst auf der Reise werden die Reisenden zu Helden.

Heldenreise

Im zweiten Teil wurden die Teilnehmer dann auch gleich praktisch auf die Heldenreise geschickt und verschiedene einfache Kreativitätsmethoden (z. B. 6-3-5) ausprobiert. Die Fragestellung: »Wie können wir Menschen in Organisationen bewegen, Neues zu wagen?« Da kamen in der Kürze der Zeit durchaus interessante Ideen in kleinen, zufällig gewählten Teams zusammen …

 

 

 

 

Fotos: Niko Matthäus (Müller Ditzen AG)

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